Im Frühling 1996 erschien etwas im westeuropäischen Spielezeitschriften-Markt, das in Japan schon zwei Jahre länger existiert hatte: kleine silberne CDs in dünnen Pappschubern, die einer Spielezeitschrift beilagen und auf der PlayStation eine handverlesene Auswahl an Demo-Versionen abspielten. Wer 1996 in Deutschland die Mega Fun, die Maniac oder die Power Play kaufte, fand zwischen den letzten Seiten manchmal eine kleine Tasche mit einer Demo-CD darin. Heute haben einige dieser Scheiben Sammlerwerte, die manche Hauptspiele dieser Generation in den Schatten stellen.
Wim hat 2025 eine fast vollständige Sammlung dieser Demoscheiben aus einer aufgelösten Garage in Vaals geholt. Vier von ihnen liegen jetzt in einer Holzschublade im Werkstatt-Schrank — und genau diese vier sind der Anlass für die folgende Notiz.
Was eine Demo-CD damals war
Eine PSX-Demo-CD aus dem Zeitraum 1995–1998 enthielt typischerweise drei bis sechs spielbare Demos und vier bis acht reine Trailer. Die Demos waren meist auf eine bestimmte Spielzeit beschränkt — fünf, zehn oder fünfzehn Minuten —, danach wurde mit einem Hard-Lock auf das Demo-Menü zurückgesetzt. Wer aufmerksam war, fand auf einigen dieser Scheiben hidden content, der mit Cheatcodes freigeschaltet werden konnte: zusätzliche Trailer, frühe Versionen von Boss-Kämpfen, ja sogar verstreute Original-Audio-Tracks.
Die Demo-CDs waren das, was heute Streaming-Trailer sind — nur dass man sie ins Wohnzimmer schleppen und an einen Fernseher anschließen musste. Das Ritual war anders. Die Geduld auch. — Wim, Notiz aus dem Garagen-Tag 18.05.2025
Die vier Akten aus Wims Schublade
Akte I — PlayStation Picks Volume 3 (1996)
Eine der seltensten westlichen Demoscheiben überhaupt. Enthält eine spielbare Vorschau auf Wild Arms, Suikoden und Battle Arena Toshinden 2 — alle drei Spiele, die in Europa erst wesentlich später erschienen. Der Mythos um diese Scheibe lebt vor allem von der Suikoden-Vorschau: Konami schnitt für diese Demo eine eigene Spielsequenz, die in der finalen Version niemals erschienen ist. Westliche Sammler zahlen für diese CD zwischen 140 und 220 Euro, eine in der Original-OBI-Hülle (Japanmarkt) sogar 380.
Akte II — Demo One (Pack-in mit der PS1 ab Mitte 1996)
Eine fast jedem PS1-Käufer bekannte Disc — und gerade deshalb interessant. Demo One war so allgegenwärtig, dass die meisten sie weggeworfen oder verkratzt haben. Eine unzerkratzte Originalauflage im Karton ist heute selten. Die enthaltenen Demos — Wipeout, Destruction Derby, Krazy Ivan, Total Eclipse Turbo — markierten den Beginn der westlichen PlayStation-Identität.
Akte III — Final Fantasy VII Demo Disc (1997)
Die einzige Disc dieser Liste mit echtem Wertanstieg über die Jahre. Square legte diese Demo der nordamerikanischen Erstauflage von Tobal No.1 bei. Sie enthält eine spielbare Sequenz mit Cloud, Barret, Tifa und Aerith aus dem ersten Sektor-Reaktor — und genau diese Sequenz unterscheidet sich von der späteren finalen Version in mehreren Dialogen und Animations-Frames. Eine Originalauflage in OBI mit Polysleeve liegt heute bei 200 bis 320 Euro. Die deutsche Version dieser Demo gab es nie — eine westliche Sammlerin in Eindhoven hat die nordamerikanische Disc mit deutschem Polysleeve-Kombination gebaut und vor zwei Jahren bei einer Versteigerung 410 Euro erzielt.
Akte IV — Euro Demo 24 (PlayStation Plus, 1998)
Die letzte Disc der vier — und in vieler Hinsicht die schönste. Sie enthält eine spielbare Demo von MediEvil, das im selben Herbst erschien, und einen Trailer für Metal Gear Solid, der Sequenzen zeigt, die im finalen Spiel verändert wurden. Der MediEvil-Demo-Build hat zudem ein anderes Level-Layout und einen Original-Soundtrack-Mix, den Bob & Barn ursprünglich verworfen hatten.
Was diese Scheiben heute wert sind
Die Preisbildung dieser Disc-Sammlung folgt drei Faktoren: Erstens das Vorhandensein von Material, das nicht ins Hauptspiel kam — Sammler bezahlen für historisches Beweismaterial. Zweitens die Originalverpackung, weil dünne Pappschuber besonders selten unbeschädigt überleben. Drittens die geografische Auflage — Demo-CDs, die nur in einer Region erschienen, sind oft auch nur dort handelbar.
Wer eine kleine Demo-CD-Sammlung anfangen möchte, beginnt am besten in zwei Schritten: zuerst die unzerkratzte Demo One als günstigen Einstieg (15–30 €), dann das deutsche Mega-Fun-Cover-CD von Herbst 1996 (oft 25–40 €). Erst wenn man diese beiden in der Vitrine hat, lohnt der Sprung zu den teureren Akten.
Lagerung — drei strikte Regeln
- Niemals direkt in Plastikhüllen mit Klebstoff-Inneren. Der weichmacht das CD-Lack-Layer.
- Pappschuber nur in säurefreie Polyhüllen, die Sammler-Briefmarken-Geschäfte führen.
- Niemals senkrecht stapeln. Eine PS1-Demo-CD verträgt kein Eigengewicht in der Mitte des Sleeve.
Wim ist zwischen Aachen und Eindhoven der erste Anlaufpunkt für Pflege solcher Sammlungen. Wer eine erbt und nicht weiß, was sie wert ist, schreibt uns. Wir kommen vorbei (oder ihr uns), schätzen sie, geben Tipps zur Lagerung und kaufen, falls erwünscht, einzelne Stücke an.